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Gaggstatt

Sehenswertes

Jugendstilkirche (1901 - 1905)

Außen- u. Innenansicht Jugendstilkirche

Im April 1901 beschloss der Kirchengemeinderat von Gaggstatt den Neubau der Kirche und beauftragte Theodor Fischer, der kurz zuvor an der TH Stuttgart die Professur für Bauentwürfe angetreten hatte, mit der Planung. Von einem Wettbewerb war abgesehen worden, nachdem König Wilhelm II. von Württemberg als Konsistorialpräsident eine eindeutige Empfehlung zugunsten Fischers ausgesprochen hatte. Dieser wollte die alte, spätmittelalterliche Wehrkirche erhalten wissen und den Neubau an einer anderen Stelle errichten. Doch die Gemeinde setzte sich durch, und so war die Kirche für den Standort der alten Kirche zu planen.

Erste Pläne

Baugesuch von 1903 der Jugendstilkirche

Im Juli 1902 legte Theodor Fischer die ersten Pläne vor. Dabei hatte er sehr klare Forderungen seitens der Gemeinde zu berücksichtigen gehabt, so unter anderem, dass die Kirche einen „ausgesprochen evangelischen Charakter tragen“ solle und „dass Kanzel, Altar und Orgel mit Orgelchor ... im Angesicht der Gemeinde zusammengeordnet werden“ sollen.

Fischers erster Entwurf passte sich zurückhaltend an die umstehenden Häuser des Dorfes an, von besonderer Dimension war nur der mächtige Turm auf der Ostseite. Auf der Westseite - dem Dorf zugewandt - eine Front mit geschweiftem Renaissance-Giebel. Im Innern waren schon viele Elemente der ausgeführten Lösung erkennbar, insbesondere die axiale Anordnung von Altar, Kanzel und - darüberliegend - der Orgel. Einen zweiten Entwurf legte Theodor Fischer im Oktober 1902 vor. Dieser zeigte bereits deutlich die Konturen des Ausführungsentwurfes in Form des dreistufigen, zum Berg ansteigenden Übergangs vom Vorbau über das langgezogene Kirchenschiff bis zur Doppelturmanlage. Die endgültige Version bzw. Baugesuchsfassung des Entwurfes datiert vom Oktober 1903. Die Grundsteinlegung fand im Mai 1904 statt. Um die Gottesdienste auch während der Bauzeit durchführen zu können (die bisherige Kirche wurde weitgehend abgerissen), wurde die Pfarrscheuer zu einer Interimskirche umgebaut. Auch hierfür schuf Theodor Fischer die Pläne. Der Kirchenneubau wurde am 29. Oktober 1905 eingeweiht.

Die Arbeit Fischers an der Gaggstatter Kirche war von teilweise lautstarken Protesten der Gemeinde begleitet. „Da bauen sie eine Kirche und vergessen die Fenster, wie die Schildbürger“ oder „Wir verputzen unsere Häuser, und unsere Kirche sieht aus wie ein alter Stall“ - so lauteten zwei von vielen empörten Äußerungen aus der Gemeinde. Fischer selbst hat diese Reaktionen offenbar richtig eingeordnet, denn er schrieb: „... kann ich mir wohl denken, dass sie und die anderen Gaggstatter manchmal den Kopf geschüttelt haben. Aber daran bin ich nun schon gewöhnt, und ich habe erfahren, dass ohne anfängliches Kopfschütteln nie etwas Rechtes zustande kommt“.

Auszug aus dem Bericht „Dorfschönheit“ in : IWZ (Illustrierte Wochenzeitung, Stuttgart) Nr. 47/1990

Mauer aus Muschelkaltstein

Ein bis ins kleinste Detail ausgetüftelter Kirchenbau. Nichts, was keinen Sinn macht. Nur erschließt sich der nicht auf den ersten Blick. Die Mauer zum Beispiel: grob behauener Muschelkalkstein aus der Crailsheimer Gegen, durchsetzt von Sandstein aus Rot am See. Große und kleine Brocken sitzen da wild und scheinbar ungeordnet aufeinander, durchgezogen von einem hartweißen Fugennetz. „Wie die Menschen“ erklärt Willi Mönikheim (in Gaggstatt Pfarrer von 1981 bis 2001) die Absicht:
„Kleine, große, dicke, dünne, auch stellt sich mal einer quer.“ Sie sind alle fest verwurzelt zwischen Erde und Himmel, die Linien markieren, was sie zusammenhält. Im Dach der Kirche - es sind zwölf verschiedene Dachformen - spiegelt sich die Vielfalt Hohenloher Landschaft wider. Schlank und weiß überragt das Turmpaar den ganzen Kirchenbau, himmlischer Kontrast zum irdisch Groben. Dass der Weg vom Dorf herauf nicht geradlinig, sondern um Ecken und Kanten ins Paradies, den kleinen Kirchenvorbau, führt, ist kein Zufall: Es ist der Weg aus der Umtriebigkeit des Alltags in die Ruhe der Besinnung. Schon hier beginnen Theodor Fischers unendliche Zahlenspiele: Zwölf Stufen führen zu der Gemeinschaft der Heiligen, sieben ins Paradies...

An der Jugendstillampe im Paradies baumelt ein Fisch - Wegweiser in die Kirche. Der Vorraum - stockfinster. Durch eine Scheibe öffnet sich der Blick ins Kirchenschiff, doch er bleibt verschwommen, undeutlich, was einen da erwarten mag. Im Innern jedenfalls kein Mittelgang zum Altar. Wie wogende Wellen ziehen sich die blauen Bänke quer durch den Raum. Die Reihen sind verschieden lang, „das Wasser“ schwappt in die Seitenbögen. Wer hier sitzt, dem steht das Wasser bis zum Hals - der hat plötzlich ein Auge für Theodor Fischers Symbolsprache und fängt womöglich an zu zählen.

Gibt es einen Grund für ausgerechnet 231 Kassetten in der Holzdecke? Statt sieben mal elf könnten dort oben im Kirchenhimmel doch auch acht mal zwölf Rechtecke hängen. Willi Mönikheim macht das Prinzip aus: Die Drei(einigkeit) und die Sieben als Symbol für Heiligkeit: drei mal 77. Genau dasselbe Zahlenspiel mit der Sieben in den 49 Ministaketen der Orgelempore, in den sieben mal sieben Schöpfungsbildern in der Brüstung der Empore. Doch halt, da fehlen zwei halbe Bilder. Willi Mönikheim lacht verschmitzt: „Der Schöpfer ist noch nicht am Ziel. Der schafft noch“.
Und so türmt sich in der Kirche ein Aha-Erlebnis aufs andere. Das Wasser, die Wellen, die Steine, die Zahlen. „Wir haben alles gesehen, aber längst nicht alles gesehen.

Auszüge aus dem Bildband „Hohenlohe Landschaft, Menschen und Kultur von Gertrud Schubert und Roland Schweizer

Die Jugendstilkirche Gaggstatt wurde in den Jahren 1997 bis 1999 grundlegend renoviert.

Pfarrhaus

Pfarrhaus in Gaggstatt

Geburtsstätte des späteren Professors August Ludwig von Schlözer (1735 - 1809), Professor in Göttingen (Geschichte. Staatskunde, Statistik, Publizistik); Sprachforscher, vom Zaren Russlands für Verdienste um russische Geschichtsforschung geadelt; Inschriftentafel an Garagenwand.

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